Stilblüten

Donnerstag, 15. Juli 2010

Liebesbrief

Folgendes trug sich vor vielen Jahren in einer mittelgroßen ÖB kurz vor dem Valentinstag zu:

Ich saß nichtsahnend am Informationsschalter, als ein süßer Junge auf mich zukam und mir einen zusammengefalteten Zettel zusteckte. Er blickte mich erwartungsvoll an. Verwundert faltete ich den Zettel auseinander und traute meinen Augen kaum! Ich möchte euch den Text nicht vorenthalten, leider kann ich mich an den genauen Wortlaut nicht mehr erinnern. Aber der Text lautete in etwa:

"Hi! ich finde dich wahnsinnig toll und süß! Hättest du Lust dich mit mir zu treffen? Dann ruf mich doch an, die Telefonnummer ist xxx"

Ob das ganze nur ein Auswuchs der Sentimentalität die alle Singles kurz vorm Valentinstag befällt war, oder ob er es wirklich ernst meinte, habe ich leider nie herausgefunden. Da ich zu dem Zeitpunkt schon vergeben war, musste ich dem armen Jungen einen Korb geben ....

Euer Drache 2

Mittwoch, 7. Juli 2010

Sachen gibt's!

So, nun nach längerer Abstinenz auch mal wieder ein Beitrag von meiner Seite. Folgendes trug sich vor kurzem in einer großen bayerischen Universitätsbibliothek zu:

Eine Studentin betritt schwer atmend mit 2 großen Paketen den Raum, schaut sich suchend um und kommt schließlich auf mich zu. "Kann ich die Pakete hier abgeben?" Ich schaue sie verwundert an und antworte "Tut mir leid, das hier ist nicht die Post, hier können Sie keine Pakete abgeben." Die Studentin beharrt drauf, dass sie aber im Internet gelesen hätte, dass genau hier in dieser Straße eine Postfiliale sei. Sie wäre auch schon in der Poststelle der Universität gewesen, doch die würden nur dienstliche Sachen annehmen. Ich kann widerum nur sagen, dass man hier definitiv keine Post abgeben kann. "Wo ist denn dann bitte die nächste Filiale?" Ich weise sie auf die Filiale am Bahnhof hin, da das die nächste sei die mir jetzt grad einfiele. Ziemlich verzweifelt darüber, dass sie die nicht gerade leichten Pakete nun noch weiter schleppen musste, verließ sie den Raum.

Zur Aufklärung: Irgendwie hat das ganze meinen bibliothekarischen Spürsinn geweckt. Es hat mich einfach interessiert, wie sie denn darauf kommt, dass hier eine Postfiliale wäre. Also habe ich im Internet auf der Seite der Deutschen Post nachgesehen. Und siehe da: Da stand tatsächlich etwas von einer Zweigstelle in der Universitätsstraße. ABER im Kleingedruckten stand auch, dass man in dieser Zweigstelle nur Briefmarken kaufen kann....

Wer lesen kann, ist halt doch klar im Vorteil!

Dienstag, 20. April 2010

Nachtrag zum Thema Mahngebühren

Weil wir heute schon beim Thema Mahngebühren sind! Ich hatte heute mal wieder ein denkwürdiges Erlebnis. Das möchte ich mit diesem kleinem Dialog hier schildern:

Benutzer: "Ein Freund von mir hat gestern ein Buch für mich abgegeben, und gemeint da wäre schon eine Mahnung raus."

Ich (werfe einen Blick in den Computer): "Ja, das stimmt, die Mahnung ist gestern mit der Post rausgegangen"

Benutzer: "Kann man die nicht mehr aufhalten?"

Ich: "Nein, die ist schon unterwegs"

Benutzer: "Ich bin Dozent hier, es kann doch nicht sein, dass ich immer wenn ich ein Buch 4 oder 5 Tage nicht abgebe eine Mahnung bezahlen muss. Das Buch kostet ja nicht einmal 7 €"

Ich: "Tut mir leid, da kann man nichts machen"

Benutzer verlässt den Raum ohne ein weiteres Wort ...

Im Stillen hab ich mir nur gedacht, warum er sich das Buch denn nicht selber kauft, wenn es denn wirklich so billig ist. Dann würde er sich die ständigen Mahngebühren sparen ....

Montag, 19. April 2010

Die Mahngebühren bitte, Mr Washington

Eine Bibliothekarin schleicht über den nächtlichen Friedhof. Käuze schuhuhen, Äste werfen gespenstische Schatten, als sie sich dem Grab eines berühmten Mannes nähert.

"Mr President, es tut mir unendlich leid, sie in ihrer Totenruhe stören zu müssen, aber es ist wichtig."

*Washington erhebt sich aus seinem Sarg, klopft den Staub aus den Klamotten und rückt die alten Knochen zurecht*

"Ah, ich wusste es. Mein geliebtes Land ruft nach mir. Sicherlich wünscht das Volk, dass ich sie durch diese schweren Zeiten begleite..."

"Ähm. Tut mir leid, Mr President, aber eigentlich geht es nicht darum."

"Was? Aber warum in Dreiteufelsnamen haben Sie mich dann geweckt?"

"Also, ich komme im Auftrag der Stadtbücherei von New York und soll zwei von Ihnen entliehene Bücher wieder einfordern."

"Das kann nicht sein. Ich habe sie alle noch zu Lebzeiten zurückgegeben."

"Es handelt sich dabei um den Titel "Law of Nations" sowie einen Band über die Debatten des britischen Unterhauses."

"Ach die! Ich dachte, mein Nachfolger hätte die längst zurückgebracht. Ich habe sie ihm überlassen, damit er darin Rat suchen könne."

"Nun, sie sind der letzte Ausleiher und damit haften sie natürlich auch für die Bücher."

"Wie bitte? Ich muss doch bitten, junge Dame! Ich war der erste Präsident der Vereinigten Staaten!"

"Deshalb belaufen sich die Mahngebühren trotzdem inzwischen auf *tuschel flüster*."

"SO VIEL!?"

"Ich befürchte ja, Mr President."

*Washington zieht es vor zu Staub zu zerfallen.*
368px-Washington_-3-

Freitag, 16. April 2010

Typische Klischees

Wofür müssen Bibliothekarinnen nicht alles herhalten? Es gibt so viele Vorurteile und Klischees, dass es unmöglich wäre, diese alle aufzuzählen. Die lustigsten möchte ich hier dennoch mal aufführen:

- Bibliothekarinnen haben graues oder weißes Haar
- sie tragen eine Brille bzw. einen Dutt oder beides
- sind unansehlich und schlecht gekleidet
- sind sehr alt
- sind sehr gebildet und gerne mal altklug
- humorlos, verbittert und weltfremd
- sind förmlich und zugeknöpft
- leben für ihren Beruf
- sie verbringen ihre Arbeitszeit mit dem Lesen von Büchern (Anmerkung meinerseits: schön wäre es ;o)
- lieben Ordnung und Sicherheit
- lieben Bücher mehr als Menschen
- Bücher sind für sie der Familienersatz
- bevorzugen die Mundbewegung "Pscht"
- schieben einen Bücherwagen vor sich her bzw. sitzen hinter einer Informationstheke


Wenn also nach der Meinung der "Nicht-Bibliothekare" geht, sähen alle Bibliothekarinnen in etwa so aus:

Klischee

Und jetzt mal ganz ehrlich: Habt ihr in eurem Leben schon mal eine Bibliothekarin die diesem Bild entspricht erlebt? Ich persönlich muss zugeben, dass natürlich ein paar wenige Klischees durchaus zutreffend sind wie z.B. dass viele eine Brille tragen und ordnungsliebend sind. Aber mal ehrlich: Wenn wir nicht so ordentlich wären würde doch kein Mensch mehr das gewünschte Buch finden! ^^

So schlimm wie manchmal dargestellt sind wir aber auch wieder nicht!

Was meint ihr? Habt ihr schonmal eine Bibliothekarin die voll und ganz diesem Klischee entspricht erlebt?

Donnerstag, 25. März 2010

Liebe und Intrigen

Wir wussten es ja schon immer.
Am meisten wird in den Fachbereichen Jura und Theologie gestohlen und welches Fleckchen Universitätserde eignet sich besser für ein Schäferstündchen als die dunklen Räume der Bibliothek? ;-D
Liebelei, Bücher und Intrigen
by Ostsee-Zeitung

Dienstag, 23. Februar 2010

Bücherei oder Buchhandel???

Gespräch aus einem Forum für begeisterte Schreiberlinge
F = Fragesteller – A = Antworten
F: Hallo! Kann mir jemand - mal abgesehen von Wikipedia - was zu Gladiatoren empfehlen?
A: Wie wärs mit der örtlichen Bücherei? Die sind oft wahre Fundgruben...
F: Klar. Aber ich meinte kostenlos, also Internetseiten. Ich will nicht gleich ein Buch kaufen gehen. :-)
A: Darum sicher der Tipp mit der Bücherei. Da kann man die ausleihen und muss die nicht kaufen.
F: Wieso? Ich dachte Bücherei heißt Buchladen. Meintest du Bibliothek?

Kein seltenes Missverständnis.

Immer wieder kommt es vor, dass Leute in der Stadtbücherei am Tresen ihren Geldbeutel zücken und fragen, was das gewünschte Buch denn koste. Meistens sind diese Leser aber wunderbar einfach zu handhaben. Man erklärt ihnen das Prinzip Bücherei und dass dieser Begriff einfach nur die eingedeutschte Version von „Bibliothek“ darstellt, verpasst ihnen einen Benutzerausweis und sie ziehen glücklich, meistens mit wesentlich mehr als nur einem Buch auf dem Arm – kost ja nix! – von dannen.

Wesentlich komplizierter scheinen es da Buchhändlerinnen zu haben, die einem Ausleihwilligen erklären müssen, dass er dieses Buch bei ihnen kaufen muss.

Alles schon dagewesen. ;-D

Mittwoch, 3. Februar 2010

Ein charmanter Anruf

Heute morgen bekam ich einen sehr netten Anruf eines schon älteren Benutzers.

D2: Unibibliothek XY, Grüß Gott
Anrufer: Ja guten Tag, mein Name ist XX, ich wollte fragen ob mein Buch schon eingetroffen ist. Ich komme nämlich aus Z. das sind 15 km von hier und für mich ist es immer recht aufwendig hierher zu kommen.
D2: Wenn Sie bei uns eine Emailadresse angeben würden, könnten wir Sie benachrichtigen wenn Ihre Bücher eingetroffen sind.
Anrufer: Mit diesem Teufelszeug hab ich nichts am Hut. Ich bekomme mein Geld nämlich nicht mehr für meine Arbeit sondern wegen meines Alters. Da ist es schon immer ein langer Prozess eine Bestellung in den Online Katalog einzutippen. Für die Jungen ist das alles viel einfacher als für uns Alte.
D2: Aber diese jungen stehen Ihnen jederzeit gerne mit Rat und Tat zur Seite, wenn Sie nicht zurecht kommen.
Anrufer: Das haben Sie jetzt so schön gesagt, da wird mir gleich ganz warm ums Herz *lacht und verabschiedet sich*

Solche Anrufe dürften ruhig öfter kommen!

Euer Drache 2

Detektei Bücherei

Vergesst Sherlock Holmes!
Feuert Columbo!
Schickt alle CSI-Leute, gleich ob aus Las Vegas, New York oder Miami, in Pension!

Ich bin besser! ;-D
Folgender Fall wurde von mir mit detektivischem Spürsinn gelöst.

Dramatis personae:
Drache1 (ich) ; im folgenden D1 genannt
Der Stimme nach ein älterer Herr auf der Suche nach Information ; im folgenden ÄH genannt.

Telefon klingelt, Drache1 hebt ab.

D1: Museumsbibliothek blablubb*. Drache1, Grüß Gott!
ÄH: Ja, hallo. Sprech ich mit jemandem von der Museumsbibliothek?
D1: Ja, hier Drache1. Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?
ÄH: Ich suche ein Buch über diesen Künstler.
Stille.
D1: Welchen Künstler meinen Sie bitte?
ÄH: Na den, von dem Sie im Museum dieses Dings haben.
D1: Tut mir leid, aber wir haben sehr viele Ausstellungsstücke...
ÄH: Also das müssen Sie doch wissen. Dieser ganz berühmte.
D1 (tippt wild ins Blaue): Meinen Sie vielleicht blablubb*?
ÄH: Nein, den doch nicht! Also wirklich. Sie sind doch Bibliothekarin, da müssen Sie den doch kennen. Ein ganz berühmter...
D1: Wenn Sie mir vielleicht ein paar Anhaltspunkte mehr geben könnten ...
ÄH: Na der Dings, der dieses Dings gemacht hat. Das ganz berühmte. Kam glaub ich aus Schlesien*...
D1: Meinen Sie den Künstler pliep*?
ÄH: JA! Genau den! Na wurd aber auch Zeit, Fräulein.

Ich kündige. Sofort. Und mache meine eigene Detektei auf.
Aber zuerst rufe ich meine Eltern an und danke ihnen auf Knien, dass sie mich als Kind mit umfassender Allgemeinbildung gefüttert haben.

Euer Detektiv Drache1

PS: * anonymisiert Das "Dings vom Dings" ist allerdings ein wörtliches Zitat ...

Montag, 25. Januar 2010

Ja ist denn schon Frühling?

Die Stadt hier versinkt in Schnee und Nebel, von Sonnenschein keine Spur, auch die Bibliothek ist kein besonders heller Raum (zu dem Leidwesen meiner Kollegen und mir) trotzdem meinte ein Benutzer heute den Raum mit einer riesigen Sonnenbrille auf der Nase betreten zu müssen.
Ich frage mich ist denn schon Frühling? oder habe ich einfach nur mal wieder einen neuen Trend verpasst? Ich weiß ja, dass das bei C-Promis ala Paris Hilton "in" ist aber dass jetzt auch Ottonormalverbraucher dazu übergehen diesen Trend zu kopieren hat mich doch etwas irritiert wie ich gestehen muss.

Oder findet ihr das normal?

Euer Drache 2

Die Bibliotheks - Drachen

Von Bibliotheken, Drachen und Leseratten

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Wer wir sind

Wir sind zwei Bibliotheksassistentinnen, im Volksmund auch "Bibliotheksdrachen" genannt, aus Bayern. Drache1 arbeitet in einer kleinen Museumsbibliothek, während Drache2 in einer großen Universitätsbibliothek arbeitet. Beide Bibliotheken möchten wir aus Gründen der Anonymität nicht mit Namen nennen.

Was wir wollen

Wir möchten mit diesem Blog über die Arbeit, die Bibliotheken und Bibliothekare tagtäglich leisten, berichten. Außerdem möchten wir Lesetipps geben, besonders schöne Bibliotheken vorstellen und Vorurteile gegen unseren Berufsstand entweder bestätigen oder hinwegfegen ;-D

Wieso "Bibliotheksdrachen"?

Verzweifelter Ausruf eines angehenden Doktoranden: "Je älter und wertvoller das Buch, desto größer der Drache, der es bewacht."

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Online seit 2739 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 11. Apr, 10:14

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