Fachchinesisch

Mittwoch, 10. November 2010

Die ASB

... auch bekannt als die "Allgemeine Systematik für öffentliche Bibliotheken", sorgt wie fast jede Bibliothekssystematik bei den Benutzern erstmal für Verwirrung.

Ein Beispiel aus der Praxis:
"Hallo! Ich suche ein Kochbuch mit deutscher Hausmannskost. Wo finde ich sowas?"
Der findige Bibliothekar sieht im OPAC nach oder kennt die Stelle in der Systematik schon auswendig und verweist auf die Signatur "Xeo 211"
"Warum steht denn das bei X? Kochbuch beginnt doch mit K."

Tja, warum nur? Irgendwann (1956) hat irgendwer sich diese Systematik ausgedacht und das so festgesetzt. Ein Vorteil dieser scheinbar willkürlichen Verteilung: Die Systematik ist international und sprachenunabhängig einsetzbar.

Und so dröselt sich Xeo 211 auf:
X -> Haus-, Forst-, Fisch- und Landwirtschaft
Xe -> Hauswirtschaft
Xeo -> Ernährung
Xeo 2 -> Kochen, Backen
Xeo 21 -> Regionale Küche allgemein
Xeo 211 -> Regionale Küche Deutschland

So wird mit jedem Buchstaben und jeder Ziffer mehr das Buch genauer klassifiziert und der Büchereibenutzer findet unter dieser Stelle alle Bücher zum gewünschten Thema.

Anmerkung am Rande: Dass die Systematik seit 1956 nicht viel verändert wurde, merke ich unter anderem daran, dass eine Tätigkeit, die ich heute als mein Hobby bezeichne, statt unter
Y - Sport, Freizeitgestaltung
noch immer unter Hauswirtschaft zu finden ist.
Xen 31 -> Stricken.

Wer sich selbst einen groben Überblick verschaffen möchte, der klicke bitte HIER - ASB Hauptgruppen

Montag, 30. August 2010

Aufstellung - Numerus currens

Numerus was?
So in etwa reagierte ich, als man mir diesen Begriff in der Ausbildung das erste mal entgegenschleuderte. Wie eine Bibliothek auszusehen hatte, glaubte ich durch Aufenthalte in der Stadtbücherei zu wissen. Nach Themen sortiert stehen die Bücher in ihren Regalen und der Leser stöbert in dem Bereich, der ihn interessiert.
Das ganze nennt sich dann Freihandaufstellung

Fast jede Bibliothek hat aber auch noch ein Magazin, in dem die Bücher aufbewahrt werden, die weniger oft benötigt werden, alt oder schlicht und einfach für die Freihandaufstellung ungeeignet sind.

In einem Magazin ist es vor allem eines - eng!
Meistens handelt es sich bei den Magazinregalen um sogenannte Rollregale, die auf Schienen mithilfe eines Hebels bzw. per Knopfdruck verschoben werden können. Größere Bibliotheken sorgen sogar mittels Zeitschaltuhren dafür, dass die Regale tanzen und die Bücher so jeden Abend etwas Luft bekommen. Was durchaus zu kleineren Unfällen führen kann. Nach dem Magazinbestand gefragt, antwortet der dort tätige Bibliothekar schon mal augenzwinkernd:
"So und so viel tausend - und ein paar Zerquetschte."

Die platzsparendste Methode ist die Aufstellung nach numerus currens, d. h. nach Zugangsnummer. Die Bücher werden, unabhängig von ihrem jeweiligen Fachgebiet, nach fortlaufender Nummer eingestellt.
Wenn also Lieschen Müllers Topflappenbuch als 320. Buch in die Bibliothek kam und "Geschichte des gemeinen Feldkarnickels" als 321. Buch - dann stehen diese beiden, eigentlich grundverschiedenen Bücher nebeneinander. Ebenso kann es passieren, dass ein dreibändiger Roman unter Nummer 7, 45 und 176 zu finden ist.

Für die Magazinaufstellung spielt die Fachgruppe keine Rolle, denn immerhin muss sich hier nicht der Benutzer, sondern nur der Bibliothekar zurecht finden. Der Benutzer bestellt (mittels Opac) das gewünschte Buch, das Buch wird aus dem Magazin geholt und direkt dem Leser übergeben. Stöbern im klassischen Sinn ist da natürlich nicht möglich.

Montag, 23. August 2010

Kettenbücher

Kettenbuch_2
(Bild von Wikipedia)

Dass Bibliotheksbücher nicht nur in der heutigen Zeit die Eigenart entwickeln, Füße zu bekommen und auf nimmerwiedersehen zu verschwinden, sieht man an Kettenbüchern wie dem obigen Exemplar.

Diese Form der Bestandssicherung war in den Klosterbibliotheken Europas bis ins 16. Jahrhundert hinein weit verbreitet. Am hölzernen Bucheinband wurde eine schwere, meist eiserne Kette befestigt, mit der das Buch am Lesepult oder direkt am Regal befestigt werden konnte. Und um auch noch Seiten herausreißende Vandalen abzuschrecken, finden sich in den meisten dieser Handschriften auch noch saftige Bücherflüche, die einem die grausamsten Qualen androhen, sollte man seine Hand gegen das Buch erheben. Verständlich, wenn man bedenkt, wie lange ein einzelner Schreiber für sein Werk brauchte und dafür Rückenschmerzen, Gelenkverschleiß und Augenschäden in Kauf nahm.

Eigentlich heißt es ja, dass Kettenbücher der Vergangenheit angehören und dass es durch moderne Sicherungsetiketten unnötig ist, Bücher ans Regal zu fesseln.
Wer sich aber ein bisschen aufmerksamer umsieht, findet hier und da noch ein paar moderne Vertreter dieser Spezies. Ich empfehle einen Ausflug in die nächstgrößere Kunstgalerie, ein Museum oder auch die juristische Abteilung der Unibibliothek.
Teure Ausstellungskataloge, Loseblattsammlungen oder Nachschlagewerke baumeln gar nicht so selten am Ende einer Kette.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Körperschaft / Urheber

Nicht wenige Benutzer stolpern bei der Suche im OPAC über den Begriff „Körperschaft“ oder „Urheber“. Und meistens wird dieses Feld dann bei der Suche links liegen gelassen, weil der Benutzer sich fragt, wo denn bitte der Unterschied zwischen Autor und Urheber liegt und was denn bitte mit Körperschaft gemeint ist.

Eine grobe Erklärung für den Begriff Körperschaft aus dem allwissenden Brockhaus:
„eine rechtsfähige Vereinigung von Personen zu gemeinsamen Zweck …“
Ah ja. Schon fühlen wir uns schlauer *hüstel*

Tatsache ist, dass die genaue Abgrenzung, was eine Körperschaft darstellt und was nicht, im bibliothekarischen Alltag nicht ganz einfach ist und vehemente Diskussionen darüber geführt werden können. Körperschaft verhält sich zu Bibliothekar wie Rotes Tuch zu Stier.
Das zeigt sich auch darin, wie viel Platz die Paragrafen zur korrekten Ansetzung von Körperschaftsnamen in der RAK-WB einnehmen. 60 Paragrafen auf ca. 100 Seiten.

Trotzdem spielen die Körperschaften eine wichtige Rolle und so manche Suche müsste nicht ergebnislos enden, wenn man das Feld „Körperschaften“ zu benutzen wüsste.
Also nehmen wir uns mal ein Beispiel:

Der Spielmannszug Kleinwamperlfing feiert sein 150jähriges Jubiläum und gibt zur Feier des Tages eine Festschrift mit dem Titel „Mit Pauken und Trompeten“ heraus. Schirmherr des Ganzen ist natürlich der Bürgermeister Karl von Kleinwamperlfing und die Texte wurden von Vereinsvorstand, Fahnenmutter, Lokalgrößen und sonstigen Vereinsmitgliedern verfasst. Das Buch landet in der örtlichen Bibliothek und soll natürlich suchbar gemacht werden.

Wenn der zuständige Bibliothekar es sich leicht macht, dann schaut die Aufnahme am Schluss so aus:
Mit Pauken und Trompeten / Richard Karl u.a.
Mal ehrlich: Erinnert sich in 20 Jahren noch irgendwer wie der Titel der Festschrift hieß? Oder wer das Vorwort dazu geschrieben hat?
Nein. Aber man sucht ja nach der Festschrift vom Spielmannszug …

Besser wäre dann folgende Ansetzung:
Spielmannszug **Kleinwamperlfing**
Mit Pauken und Trompeten / Richard Karl …

Über den Button „Körperschaft“ lassen sich also wunderbar Titel finden, die von einer Organisation herausgegeben wurden. Man kann sich sämtliche Publikationen eines bestimmten Museums anzeigen lassen, nach Kongressen recherchieren etc.

Freitag, 7. Mai 2010

OPAC

OPAC ist nicht der Name eines australischen Häuptlings oder ein exotisches Reisgericht vom Asia-Imbiss, sondern ein gar nützliches Teil, dass inzwischen fast alle Bibliotheken ihren lese- und ausleihwilligen Kunden zur Verfügung stellen.

Der Begriff OPAC ist nichts weiter als die Abkürzung von Online Public Access Catalog. Was grob übersetzt bedeutet „da wo Literatur drin is" oder ausführlicher "Katalog, in dem man online sämtliche Bibliotheksbestände suchen kann“.

In jeder Bibliothek ist der OPAC etwas anders gestaltet und in der Regel gelangt man über die Website der Bibliothek dorthin. Diverse Institutionen, die ich hier lieber ungenannt lassen möchte, machen es einem etwas schwerer fordern den Forschergeist ihrer Benutzer etwas mehr heraus.

Nehmen wir einmal dieses Beispiel für einen typischen Stadtbücherei-OPAC.

OpacRegensburg

Hier gibt es zuerst nur einen Sucheinstieg. Die Freitextsuche. Hier gibt man den Titel, den Autor oder ein Schlagwort ein und definiert die Gruppen in denen gesucht werden soll. So kann ich anklicken ob der Gesamtbestand durchsucht werden soll oder nur die Buch-, die DVD- oder CD-Bestände. Meistens ist es auch möglich, in nur einer bestimmten Teilbibliothek zu suchen. Eine sehr praktische Funktion in Großstädten.

Anschließend klickt man auf GO! und schon hat man sämtliche zu dem Suchwort passenden Medien, eine Kurzbeschreibung derselben, ihre Standorte und ihren Ausleihstatus vor Augen. In einigen Fällen sogar das Buchcover und eine kurze Inhaltszusammenfassung.
Was bei Suchanfragen wie „Es war ein Roman mit Engeln und das Cover war weiß mit so nem Engel drauf“* wirklich sehr nützlich ist.

Außerdem gibt es natürlich auch noch die Erweiterte Suchfunktion und der Leser kann selbstständig sein Benutzerkonto verwalten. Er kann immer und jederzeit die Leihfrist der entliehenen Bücher einsehen und gegebenenfalls selbst verlängern. Außerdem können Bücher, die derzeit ausgeliehen sind, vorgemerkt werden, damit sie nur ja nicht nochmal ein Ausleiher vor dem Lesehungrigen in die Finger kriegt.
(Legendär waren die Vormerkungen im Bereich Harry Potter anno domini 2003. 14 Vormerkungen. Wenn man bedenkt, dass jeder Leser das Buch vier Wochen lang behalten darf ...)

Bei den meisten OPACs wissenschaftlicher Bibliotheken gibt es zudem auch noch die Möglichkeit ein Buch, das in der Heimatbibliothek nicht vorhanden ist, über einen überregionalen OPAC zu suchen und per Fernleihe zu bestellen. So zum Beispiel über Gateway Bayern

Gateway
Die Fernleihe wird demnächst einen eigenen Artikel im Bereich Fachchinesisch bekommen, deshalb bleibt mir als Schlusswort nur eines zu sagen:

Keine Angst vorm OPAC!

Die Bedienung desselben ist kinderleicht und auch wenn uns ältere Semester das nicht glauben wollen:
Man kann wirklich nichts daran kaputt machen!
Egal welche Tasten man drückt. :-D

* „Im Reich der Engel“ von Bernard Werber

Mittwoch, 17. März 2010

Nachtrag Online-Kataloge

Da hätt ich vor lauter Begeisterung ja fast die Nachteile der computergestützten Katalogsysteme vergessen.

Nachteil bei Katalogen auf Datenträgern:

Disketten, CD-ROMs, USB-Sticks - sie alle sind dem Verschleiß preis gegeben. Disketten verstauben, CD-ROMs verkratzen, USB-Sticks können kaputt gehen.
Oder die Technologie entwickelt sich weiter. Kaum ein PC, der heute in den Handel kommt, hat noch ein Diskettenlaufwerk.
Sind die Bibliotheksbestände aber nirgendwo anders verzeichnet, dann beißt sich der Bibliothekar in den ...
Na ja, auf jeden Fall war dann die ganze Arbeit für die Katz.

Nachteil bei Online-Katalogen

Man stelle sich folgendes Szenario vor:
Ein bösartiger Hacker dringt in die Kataloge der Bibliotheken in aller Welt ein, setzt einen gezielten Virus und löscht mit einem Mal sämtliche Daten.
Bibliotheksbestände sind plötzlich nicht mehr suchbar. Studenten wie Bibliothekare erleiden Nervenzusammenbrüche. Ganze Länder versinken im Chaos und der fiese Hacker reißt die Weltherrschaft an sich.
Dann kann nur noch eine Bibliothekarin helfen!

Batgirl

Unwahrscheinlich?
Ja, durchaus. Allerdings weiß jeder Bibliothekar, wie schrecklich es sein kann, wenn Katalog und OPAC auch nur einen halben Tag lang wegen irgendwelcher technischen Probleme nicht funktionieren.

Katalogformen - Online-Kataloge

Ab jetzt wird’s vielfältig.

Online-Kataloge oder allgemeiner gesprochen „computergestützte Katalogsysteme“ gibt es wie Sand am Meer. Viele verschiedene Hersteller bieten ihre Systeme den Bibliotheken an und deshalb beschränke ich mich in diesem Fall auf die Systeme, die ich bisher kennengelernt habe.
Zur Technik an sich kann ich leider nicht viel sagen, da ich diese Kataloge „nur“ benutze bzw. benutzt habe. Auch werde ich nur die im Bibliotheksalltag gebräuchlichen Namen und nicht die exakten Bezeichnungen verwenden.

Los geht’s!

1. BVB-Kat

Ach, was vermisse ich dieses Erfassungssystem…
Nein, seien wir ehrlich. Der BVB-Kat hatte eine schauderhafte Benutzeroberfläche und war äußerst unpraktisch zu handhaben. Man klickte sich durch die Titelaufnahme und wenn einem im Moment des Abspeicherns ein Fehler auffiel, dann musste die komplette Aufnahme gelöscht und noch einmal neu gemacht werden.
Der BVB-Kat war die Schreibmaschine unter den Erfassungssystemen.

Einführung BVB-Kat

2. Aleph

Mittlerweile bei den meisten bayerischen Bibliotheken angekommenes Erfassungssystem und der Nachfolger des BVB-Kat. Klare Struktur, leicht verständliche Benutzeroberfläche mit Hilfestellungen zu jedem Erfassungspunkt, Fehler können von jedem zu jeder Zeit ausgebessert werden, die Suche nach bereits existierenden Katalogisaten ist verbundübergreifend möglich …
Ich liebe es!

Aleph

3. BIBDIA

Nach meiner Ausbildung behauptete ein Kollege: „Wenn du mit BIBDIA umgehen kannst, dann kannst du mit allem umgehen.“
Ich habe das nie so ganz verstanden, denn für mich war weder die Erfassung, noch die Ausleihe mit diesem System je ein Problem. Man musste halt gewisse Tastenkombinationen drauf haben.

zu BIBDIA


4. Librarything


Das Katalogsystem des kleinen Mannes.
Bis zu 200 Bücher kann man kostenlos in diesem Buchclub selbst erfassen, verschlagworten, bewerten und rezensieren.
Hauptsächlich tummeln sich in diesem Online-Portal Privatpersonen, die ihre Bibliotheken sauber aufgelistet sehen und mit der Welt teilen wollen.

Aber auch kleinere Bibliotheken mit einem Bestand von max. 5000 bis 10.000 Medien, denen ein professioneller Katalog zu teuer ist, haben die Möglichkeit ihren Bestand mittels Librarything zu erfassen und so ihren Benutzern zugänglich zu machen. Der Spaß kostet einmalig 25 Dollar und dieses Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt bestimmt auch den knickrigsten Geldgeber. ;-D

Einziges, winziges Manko: Librarything ist zu einem Großteil noch fest in amerikanischer Hand. Der erfassungswillige Bibliothekar sollte also des Englischen mächtig sein.

Librarything - Deutsch

Mittwoch, 3. März 2010

Katalogformen - Zettelkatalog

Der Zettelkatalog

Zunächst handschriftlich, dann maschinell wurden schließlich die Bibliotheksbestände im Zettel- bzw. Kartenkatalog erfasst. Auch hier gilt wieder das Prinzip Autorenname bzw. Titel in alphabetisch sortierter Reihenfolge.

Der Zettelkatalog besteht, wie der Name schon sagt, aus Zetteln. Seit 1948 wurden diese Kärtchen international normiert und zwar auf 7,5 x 12,5 cm plus ein Löchlein mit dem sie an der sog. Lochstange festgeklammert werden können.

Zettelkatalog1

Na? Wer erkennt die Vorteile gegenüber dem Bandkatalog?

Zum ersten: Der Zettelkatalog ist bis in die Unendlichkeit erweiterbar. Lieschen Müller könnte also Topflappenbücher ohne Ende produzieren. Selbst wenn ihre Werke eine halbe Bibliothek füllen würden, wäre das absolut kein Problem.

Zum zweiten: Ich kann so viele Zettelkataloge anlegen wie ich will und dadurch die Bücher wesentlich leichter auffindbar machen. Denkbare Sucheinstiege wären dann z. B. der Autor, der Titel, der Einheitssachtitel, der Übersetzer, Schlagwörter, Ausstellungsorte, Jahreszahlen, Standort, Zugangsnummer …

Zum dritten: Kein mühsames und langwieriges Umschreiben mehr. Der Katalog ist immer auf den neuesten Stand (vorausgesetzt der Bibliothekar ist gewissenhaft. Und das sind Bibliothekare doch per definitionem ;-D )

ABER! Nirgends Vorteile wo es auch Nachteile gibt.

Es dauert. Jedes Zettelchen muss getippt werden und jeder Zettel muss korrekt einsortiert werden. Ein Buch, das eigentlich zwanzig Schlagworte verdienen würde, bekommt dann schon mal aus faulheitsbedingten rationellen Gründen nur zwei.

Nächster Nachteil: Der Katalog ist sehr, sehr ortsgebunden.
Es ist schlichtweg unmöglich Zettelkatalogkästen, die ganze Räume füllen, von Bibliothek A zu Bibliothek B zu schleppen. Um eine überregionale Suche zu gewährleisten, wurden, sobald möglich, Mikroformen der verschiedenen Kataloge angelegt. Wer schon einmal mit Mikrofiche samt passendem Lesegerät nach einem bestimmten Titel gesucht hat, kennt die Prozedur.
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen…

Und noch ein paar Nachteile, die mir befreundete Ex-Studenten beichteten:
Zettel können gezogen werden und auf Nimmerwiedersehen verschwinden.
Damit niemand mehr die Doktorarbeit findet, die man in den Quellenangaben der Facharbeit vergessen hat zu erwähnen ; weil’s praktischer ist, gleich das ganze Kärtchen auf die Suche am Regal mitzunehmen, anstatt sich mühsam alles auf einem eigenen Blatt zu notieren … usw.

Der erste Zettelkatalog wurde übrigens schon 1780 von Gottfried van Swieten an der Hofbibliothek in Wien angelegt. Der gute Mann war seiner Zeit weit voraus, denn wirklich flächendeckende, internationale Verbreitung fand der Zettelkatalog erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Und gerüchteweise gibt es auch noch die ein oder andere Bibliothek, die den Zettelkatalog nicht abbaut sondern weiterhin fortlaufend führt (warum auch immer).
A echter Wiener geht halt amal ned unter!

Dienstag, 2. März 2010

Verschiedene Katalogformen

Ganz nach Knigge kommt hier Alter vor Schönheit.

Zunächst haben wir hier den Bandkatalog.

Bandkatalog

Alphabetisch, nach Autorenname und Zugangsnummer sortiert stehen dort in mal mehr, mal weniger leserlicher Handschrift die Bestände der Bibliothek aufgelistet. Der Nachteil an diesem System ist auf den ersten Blick ersichtlich.

Nehmen wir an Lieschen Müller verfasst ein Werk über das Häkeln von Topflappen.
Gut, zwischen „Müller, Leonard“ und „Müller, Lorenz“ finden sich noch ein paar leere Zeilen, in die der fleißige Bibliothekar Lieschen Müllers Topflappenbuch quetscht.

Lieschen ist aber dermaßen von ihrem Hobby und der Schreiberei begeistert, dass immer mehr Werke aus ihrer Feder den Weg in die Bibliothek finden. Dem Bandkatalog gehen die Zeilen aus.
Der Bibliothekar rauft sich die Haare, beginnt Topflappenbücher in seinem Büro zu verstecken, verhängt einen Einkaufsstopp für alle Autoren mit dem Namen „Müller“ …

Nein. So etwas tut ein braver Bibliothekar nicht.
Stattdessen fügt er lieber, wenn möglich, eine neue Seite im Bandkatalog ein und schreibt alles noch einmal neu. Was aber tun, wenn der Bandkatalog kein Seiten hinzufügen zulässt?
Erraten! Dann schreibt man den KOMPLETTEN Band neu.

Wen wundert es, dass diese Form des Katalogs nur allzu gern gegen Kartenkataloge ausgetauscht wurde?

Donnerstag, 18. Februar 2010

Do it yourself - Sacherschließung

oder auch Inhaltserschließung.

Ging es im vorigen Artikel nur über die formale Erschließung, also die nackten Fakten, so kommen wir hier in den Bereich Inhalt. Ich beschränke mich jetzt erst einmal auf die Verschlagwortung eines Titels. Die Klassifikation ist einen eigenen Artikel im Bereich Fachchinesisch wert.

In diesem Arbeitsbereich ist es tatsächlich notwendig ein bisschen in das Buch hineinzulesen.
Eine Zeit lang hieß es in (mehr oder weniger) fachlichen Kreisen, dass diese Erschließung eigentlich gar nicht notwendig sei. Es reiche doch die simple Formalerschließung.

Tja, aber was macht Bibliothekar / Leser wenn er im Katalog nach Brückenarchitektur sucht und unter dem Begriff „Brücke“ hundert Titel findet? Behandeln die gefundenen Titel jetzt wirklich Architektur? Oder handelt es sich um einen Roman? Oder ein Werk über die Künstlervereinigung? Und wenn das so dringend benötigte Buch unter dem Titel „Über Fluss und Tal“ steht, findet man es gar nicht.

Deshalb gibt es die Sacherschließung, bei der mit Hilfe von sog. Schlagwörtern der Inhalt des Titels erfasst wird.
Zwar ist eine Verschlagwortung bei Romanen nicht üblich, aber wir nehmen uns trotzdem noch einmal „Mummenschanz“ vor.
Also…
Die Geschichte ist ein Scheibenweltroman und es geht um Hexen in einer Oper. Außerdem handelt es sich ganz eindeutig um Fantasy. Damit lassen sich schon vier Schlagworteintragungen machen.
Scheibenwelt ; Hexe ; Oper ; Fantasy

Ein Zettel im Schlagwortkatalog würde dann so aussehen:Scheibenwelt

Pratchett, Terry:
Mummenschanz : ein Roman von der bizarren Scheibenwelt ; [ein Scheibenwelt-Roman] / Terry Pratchett. Ins Dt. übertr. von Andreas Brandhorst. – 3. Aufl., Taschenbuchausg. – München : Goldmann, 2002. – 351 S.
Einheitssachtitel: Maskerade
ISBN 3-442-45260-0
Genauso verfährt man mit den anderen drei Begriffen. Sollte nun ein ausleihwilliger Freund fragen, ob du eine Bücherreihe über etwas namens „Scheibenwelt“ kennst und vielleicht einige davon hast – Schlagwortkatalog gezückt, unter Sch wie Scheibenwelt geguckt und Zack! – schon kannst du ihm sagen welche Bücher dieser Reihe du dein Eigen nennst.

Die Bibliotheks - Drachen

Von Bibliotheken, Drachen und Leseratten

Bildlich

Klischee

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Archiv

April 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 

Wer wir sind

Wir sind zwei Bibliotheksassistentinnen, im Volksmund auch "Bibliotheksdrachen" genannt, aus Bayern. Drache1 arbeitet in einer kleinen Museumsbibliothek, während Drache2 in einer großen Universitätsbibliothek arbeitet. Beide Bibliotheken möchten wir aus Gründen der Anonymität nicht mit Namen nennen.

Was wir wollen

Wir möchten mit diesem Blog über die Arbeit, die Bibliotheken und Bibliothekare tagtäglich leisten, berichten. Außerdem möchten wir Lesetipps geben, besonders schöne Bibliotheken vorstellen und Vorurteile gegen unseren Berufsstand entweder bestätigen oder hinwegfegen ;-D

Wieso "Bibliotheksdrachen"?

Verzweifelter Ausruf eines angehenden Doktoranden: "Je älter und wertvoller das Buch, desto größer der Drache, der es bewacht."

Bibliothek geöffnet seit

Online seit 2713 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 11. Apr, 10:14

Bibliotheksbesucher

Drache1 twittert

Follow Bibassi1 on Twitter

Drache 2 twittert jetzt auch

Follow bibassi2 on Twitter

Berühmte Bibliothekare
Bibliothek(are) im Buch
Bibliothek(are) im Film
Bibliotheksdrachen
Dies und Das
Fachchinesisch
Fragen, die nur ein Bibliothekar beantworten kann
Gedichte und Zitate
Stilblüten
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren