Bibliothek(are) im Buch

Montag, 23. Mai 2011

Gargoyle

Ich überlebte diese beschissene Welt nur, indem ich mir bessere vorstellte, also las ich alles, was ich in die Finger kriegen konnte. In meiner frühen Jugend saß ich so viele Stunden in der Bibliothek, dass die Bibliothekarinnen mir Sandwichs mitbrachten. Ich habe so gute Erinnerungen an diese Frauen, die mir Bücher empfahlen und sich denn stundenlang mit mir darüber unterhielten, was ich gelernt hatte.
Es stimmt wohl, dass ich außerhalb der Bibliothek ein Leben der Lasterhaftigkeit geführt habe, drinnen aber habe ich mich dem Wissen immer so gewidmet wie ein Heiliger seiner Bibel.

Aus: Gargoyle von Andrew Davidson, S. 21 und 22

Ich bin noch nicht einmal halb durch, möchte aber schon jetzt eine Leseempfehlung aussprechen! Ein spannendes und wunderbar geschriebenes Buch.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Bibliothekar gefunden!

Ich habe den "dämonischen Bibliothekar" in dem Buch "Die Landkarte der Zeit" gefunden!
War gar nicht schwierig. Auf Seite 617 taucht er tatsächlich auf.

Abschließendes Fazit: Wenn man sich mit dem ausschweifenden Erzählstil des Autors angefreundet hat und sich ganz auf die Geschichte einlassen kann - dann ist "Die Landkarte der Zeit" ein spannendes und sehr lesenswertes Buch, das den Spagat zwischen Historien-, Fantasy- und Sciencefiction-Roman meistert.

Vielleicht gerade deshalb auch ein Lesetipp für traditionell leseunwillige Jungen zwischen 15 und 18.

Dienstag, 14. Dezember 2010

"Die Landkarte der Zeit" - Zwischenbericht

"Alle Fäden laufen bei einem dämonischen Bibliothekar zusammen. Nur er kennt das Geheimnis der Landkarte der Zeit."

So stehts im Klappentext und unter anderem deshalb habe ich mir dieses Buch aus meiner Stadtbücherei ausgeliehen.
Nun wage ich mich an einen Zwischenbericht:
Ich bin derzeit auf Seite 373.
Bisher wurden viele, durchaus interessante Charaktere vorgestellt, Fantastisches berichtet und viel davon als Taschenspielertricks entlarvt. Jack the Ripper hatte seinen Auftritt ebenso wie H. G. Wells als zeitmaschinenbesitzender Autor.

Es hat gedauert, bis ich in die Geschichte hineingekommen bin. Der Autor springt oft und gern von einer Perspektive zur nächsten. Es scheint keine richtige Hauptfigur zu geben, sondern stattdessen ein ganzes Sammelsurium von Figuren, die dem Autor alle gleich wichtig zu sein scheinen und deshalb aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln erläutert werden. Außerdem ergötzt er sich an Schachtelsätzen und der Übersetzer scheint das antiquierte Verb "wesen" unglaublich gern zu mögen. Was in krassem Gegensatz zu dem immer wieder verwendeten und sehr modern wirkenden "Klar" steht, dass er den Charakteren des 19. Jahrhunderts in den Mund legt.
Hinzu kommt dann noch ein Erzähler, der sich wie das Anzug tragende Männlein aus den schwarzweißen Fernsehfolgen von "Twilight Zone" gebärdet.

Erinnert sich jemand an diese Serie? Die Geschichte beginnt, man lässt sich von der Atmosphäre eines Schauermärchens einfangen - und plötzlich steht da dieser Zähne bleckende Anzugträger und quatscht etwas von "... das wird Joe bald am eigenen Leib erfahren".
Ein Beispiel aus "Die Landkarte der Zeit":
"Jetzt nähert sich der Augenblick, in dem der junge Mann die lästige Entscheidung treffen muss, welchen Hut er aufsetzen und welchen Mantel er anziehen will von all den Hüten und Mänteln, mit denen der Kleiderschrank in der Empfangshalle vollgestopft ist, denn selbst für den Tod muss man ja präsentabel sein. Diese Szene kann, kennt man Andrew, mehrere unerträglich lange Minuten dauern, die näher zu beschreiben ich für unnötig halte, sodass ich lieber die Gelegenheit ergreife, Sie in dieser Geschichte willkommen zu heißen, die soeben begonnen hat, und die ich nach langem Nachdenken in diesem Moment und keinem anderen beginnen lassen wollte, so als hätte auch ich mich für einen Anfang unter all den vielen entscheiden müssen, die sich dicht an dicht im Schrank meiner Möglichkeiten drängen." (S. 16) So viel zum Thema Schachtelsätze.

Wie gesagt: Ich befinde mich derzeit auf Seite 373. Die Geschichte (oder besser gesagt die Geschichten) hat es doch noch geschafft mich in ihren Bann zu schlagen.
Nur den dämonischen Bibliothekar habe ich bisher vergeblich gesucht.

Und was soll eigentlich der Zeitungsschnipsel unter dem Klappentext?
"Ein Bestseller, den jeder Literaturprofessor in der U-Bahn lesen kann, ohne sich zu schämen." Público
Haben spanische Literaturprofessoren so wenig Selbstbewusstsein, dass sie in der Öffentlichkeit nicht um des Vergnügens willen lesen? Sind sie dazu gezwungen, nur klassische Stücke zu lesen und zu sezieren wie ein Biologe seine Frösche? Oder wollte der Verlag damit die Genialität des Romans unterstreichen und ihn so aus der "anrüchigen" Fantasysparte herausholen?

Fragen über Fragen.

Dienstag, 30. November 2010

Wie werde ich einen Geist los

Die Leseempfehlung zum 110. Todestag von Oscar Wilde
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Mittwoch, 15. September 2010

Happy Birthday ...

Happy Birthday Agatha Christie!
Heute hätte die Autorin unzähliger Krimis und Erfinderin so einzigartiger Detektive wie Miss Marple und Hercule Poirot ihren 120. Geburtstag zu feiern.

In diesem Sinne hier die passende Buchempfehlung:
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Mittwoch, 11. August 2010

Die Bibliothek der Unsichtbaren Universität

Aufmerksamen Lesern dieses Blogs wird aufgefallen sein, dass sich in der Rubrik "Unser Lesestoff" ziemlich häufig Bücher von Terry Pratchett finden. Ganz einfach zu erklären. Ich (Drache1) bin schon seit Jahren den Büchern dieses Autors erlegen und ganz besonders dem skurilen Charme seiner Scheibenwelt-Romane.

Nun beherbergt die Scheibenwelt (die von vier Elefanten getragen wird, die ihrerseits auf dem Rücken einer riesigen Schildkröte stehen) nicht nur zahllose seltsame Kreaturen sondern auch eine Universität für Zauberei. Diese wird "Die Unsichtbare Universität" genannt und ihr Herzstück bildet die Bibliothek.
Mit über 90.000 Bänden von Grimoires und anderen magischen Texten stellt sie im gesamten Multiversum die bei weitem größte Konzentration magischer Gelehrsamkeit dar und ist so gefährlich, dass die meisten Bücher angekettet bleiben müssen.

Aus: Mythen und Legenden der Scheibenwelt, S. 372

Auch eine hübsche Erklärung für Kettenbücher, oder? ;-D

Die Bibliothek ist so riesig, dass sich in ihr schon mehrere unachtsame Studenten verlaufen haben und der findige Bibliothekar bindet lieber erst das Ende einer langen, roten Schnur an seinem Schreibtisch fest, bevor er sich in die Untiefen des "L-Raums" begibt. Denn wie jeder weiß, der schon einmal selbstvergessen in einer Bibliothek saß und sich durch zahllose Bücher gelesen hat, krümmt sich in der Bibliothek die Zeit und ein Tag mag einem vorkommen wie Minuten.

So kann es schon einmal passieren, dass der Bibliothekar der UU im wahrsten Sinne durch Zeit und Raum schlendert. Das Verrückteste an dieser Bibliothek ist allerdings der Bibliothekar selbst. Seit einem etwas aus dem Ruder gelaufenen magischen Zwischenfall fristet der Bibliothekar nämlich als Orang-Utan sein Dasein.
ScheibenweltLibrarian

Allerdings findet er soviel Gefallen an seiner neuen Gestalt, dass er sich hartnäckig weigert zurück verwandelt zu werden.
Und welcher Bibliothekar hat sich nicht schon mal ein zusätzliches Paar Hände gewünscht, wenn die Bibliothek von Studenten, uneingeräumten und unbearbeiteten Büchern überquillt?

Der Bibliothekar, die Bibliothek oder beide gemeinsam haben in fast allen Scheibenweltromanen ihren Gastauftritt. In "Die Nachtwächter" findet eine aufregende Verfolgungsjagd auf dem Dach der Bibliotek statt und in "Rollende Steine" entdeckt der Bibliothekar sogar seine Vorliebe für Rock'n Roll - pardon! - Musik mit Steinen drin.
Eine große Rolle spielte er bisher noch nicht. Weshalb nicht, sollte er in seinen eigenen Worten erklären.
"Ugh! Ughugh. Iiiiiiek!"

Leseempfehlung für alle, die skurile Begebenheiten schätzen, sich selbst nicht allzu ernst nehmen und hinter Jux und Tollerei auch eine ganz besondere Philosophie entdecken wollen.

Dienstag, 4. Mai 2010

Quidditch im Wandel der Zeiten

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Ein amüsantes Büchlein über das bei den Zauberern von Joanne K. Rowlings literarischem Universum so beliebte Spiel Quidditch.

Gibt es noch irgendetwas über Harry Potter zu sagen, was nicht schon gesagt wurde?
Nachdem der letzte Teil schon lange erschienen ist und sich nun in Form eines zweiteiligen Kinofilms ankündigt, habe ich beschlossen mich mal wieder durch die sieben Bände in meiner Privatbibliothek zu lesen. Irgendwie sprang mich dann in der Buchhandlung dieses Bändchen an. Geradezu hinterhältig lauerte es da im Regal, direkt neben "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" und flüsterte "Kauf mich! Nimm mich mit! Du brauchst mich um die Sammlung zu komplettieren..."

Also habe ich es gekauft und weil es gar so günstig war (4,95 €), durfte "Phantastische Tierwesen" ebenfalls noch ins Körbchen.
Sehr sympathisch: Laut Klappentext geht der größte Teil des Erlöses aus dem Verkauf dieser beiden Bücher an Comic Relief, eine englische Hilfsorganisation, für die auch am "Red Nose Day" gesammelt wird.

Es kommt noch besser. Bei diesem Buch handelt es sich um einen Nachdruck des Originalwerkes aus der Schulbibliothek von Hogwarts. Somit heißt es auf der ersten Seite auch:
Achtung: Wer dieses Buch zerreißt, zerfetzt, zerschnipselt, verbiegt, faltet, verunstaltet, entstellt, beschmiert, bekleckst, durch die Gegend wirft, fallen lässt oder auf andere Weise beschädigt, misshandelt oder mit mangelndem Respekt behandelt, dem jage ich die schlimmsten Strafen auf den Hals, derer ich fähig bin.

Irma Pince, Bibliothekarin

Wie man aus dem Vorwort erfährt, ist vor Madame Pinces Flüchen auch ein Schulleiter nicht gefeit und man sollte vorsichtshalber auch mit dem Nachdruck sehr sorgsam umgehen. Man weiß ja nie...

Die Bibliotheks - Drachen

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Wer wir sind

Wir sind zwei Bibliotheksassistentinnen, im Volksmund auch "Bibliotheksdrachen" genannt, aus Bayern. Drache1 arbeitet in einer kleinen Museumsbibliothek, während Drache2 in einer großen Universitätsbibliothek arbeitet. Beide Bibliotheken möchten wir aus Gründen der Anonymität nicht mit Namen nennen.

Was wir wollen

Wir möchten mit diesem Blog über die Arbeit, die Bibliotheken und Bibliothekare tagtäglich leisten, berichten. Außerdem möchten wir Lesetipps geben, besonders schöne Bibliotheken vorstellen und Vorurteile gegen unseren Berufsstand entweder bestätigen oder hinwegfegen ;-D

Wieso "Bibliotheksdrachen"?

Verzweifelter Ausruf eines angehenden Doktoranden: "Je älter und wertvoller das Buch, desto größer der Drache, der es bewacht."

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Zuletzt aktualisiert: 11. Apr, 10:14

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