Katalogformen - Zettelkatalog

Der Zettelkatalog

Zunächst handschriftlich, dann maschinell wurden schließlich die Bibliotheksbestände im Zettel- bzw. Kartenkatalog erfasst. Auch hier gilt wieder das Prinzip Autorenname bzw. Titel in alphabetisch sortierter Reihenfolge.

Der Zettelkatalog besteht, wie der Name schon sagt, aus Zetteln. Seit 1948 wurden diese Kärtchen international normiert und zwar auf 7,5 x 12,5 cm plus ein Löchlein mit dem sie an der sog. Lochstange festgeklammert werden können.

Zettelkatalog1

Na? Wer erkennt die Vorteile gegenüber dem Bandkatalog?

Zum ersten: Der Zettelkatalog ist bis in die Unendlichkeit erweiterbar. Lieschen Müller könnte also Topflappenbücher ohne Ende produzieren. Selbst wenn ihre Werke eine halbe Bibliothek füllen würden, wäre das absolut kein Problem.

Zum zweiten: Ich kann so viele Zettelkataloge anlegen wie ich will und dadurch die Bücher wesentlich leichter auffindbar machen. Denkbare Sucheinstiege wären dann z. B. der Autor, der Titel, der Einheitssachtitel, der Übersetzer, Schlagwörter, Ausstellungsorte, Jahreszahlen, Standort, Zugangsnummer …

Zum dritten: Kein mühsames und langwieriges Umschreiben mehr. Der Katalog ist immer auf den neuesten Stand (vorausgesetzt der Bibliothekar ist gewissenhaft. Und das sind Bibliothekare doch per definitionem ;-D )

ABER! Nirgends Vorteile wo es auch Nachteile gibt.

Es dauert. Jedes Zettelchen muss getippt werden und jeder Zettel muss korrekt einsortiert werden. Ein Buch, das eigentlich zwanzig Schlagworte verdienen würde, bekommt dann schon mal aus faulheitsbedingten rationellen Gründen nur zwei.

Nächster Nachteil: Der Katalog ist sehr, sehr ortsgebunden.
Es ist schlichtweg unmöglich Zettelkatalogkästen, die ganze Räume füllen, von Bibliothek A zu Bibliothek B zu schleppen. Um eine überregionale Suche zu gewährleisten, wurden, sobald möglich, Mikroformen der verschiedenen Kataloge angelegt. Wer schon einmal mit Mikrofiche samt passendem Lesegerät nach einem bestimmten Titel gesucht hat, kennt die Prozedur.
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen…

Und noch ein paar Nachteile, die mir befreundete Ex-Studenten beichteten:
Zettel können gezogen werden und auf Nimmerwiedersehen verschwinden.
Damit niemand mehr die Doktorarbeit findet, die man in den Quellenangaben der Facharbeit vergessen hat zu erwähnen ; weil’s praktischer ist, gleich das ganze Kärtchen auf die Suche am Regal mitzunehmen, anstatt sich mühsam alles auf einem eigenen Blatt zu notieren … usw.

Der erste Zettelkatalog wurde übrigens schon 1780 von Gottfried van Swieten an der Hofbibliothek in Wien angelegt. Der gute Mann war seiner Zeit weit voraus, denn wirklich flächendeckende, internationale Verbreitung fand der Zettelkatalog erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Und gerüchteweise gibt es auch noch die ein oder andere Bibliothek, die den Zettelkatalog nicht abbaut sondern weiterhin fortlaufend führt (warum auch immer).
A echter Wiener geht halt amal ned unter!

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Wir sind zwei Bibliotheksassistentinnen, im Volksmund auch "Bibliotheksdrachen" genannt, aus Bayern. Drache1 arbeitet in einer kleinen Museumsbibliothek, während Drache2 in einer großen Universitätsbibliothek arbeitet. Beide Bibliotheken möchten wir aus Gründen der Anonymität nicht mit Namen nennen.

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Wir möchten mit diesem Blog über die Arbeit, die Bibliotheken und Bibliothekare tagtäglich leisten, berichten. Außerdem möchten wir Lesetipps geben, besonders schöne Bibliotheken vorstellen und Vorurteile gegen unseren Berufsstand entweder bestätigen oder hinwegfegen ;-D

Wieso "Bibliotheksdrachen"?

Verzweifelter Ausruf eines angehenden Doktoranden: "Je älter und wertvoller das Buch, desto größer der Drache, der es bewacht."

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