Donnerstag, 27. Mai 2010

Fragen - Nr. 3

Fragen, die nur ein Bibliothekar beantworten kann - Nummer 3:

„Wann bekommen Sie denn den neuen Follett / Konsalik / Atlas der Kunstwissenschaften?“

Manchmal ist diese Frage sehr einfach zu beantworten. Nämlich dann, wenn uns Bibliothekaren die Informationen des Buchhändlers bzw. des Verlags zugrunde liegen, die deutlich besagen, dass das gewünschte Buch am soundsovielten diesen oder jenen Monats erscheinen wird und das Buch schon als "bestellt" im Katalog gekennzeichnet ist.

Allerdings gibt es gerade bei Fachbüchern oder auch Festschriften nicht selten enorme Verzögerungen. Da kann es schon mal passieren, dass der Verlag das Erscheinen für Februar 2009 ankündigt und das Buch im Mai 2010 immer noch nicht gedruckt ist.

Bibliothekare mögen zwar wandelnde Nachschlagewerke sein (oder zumindest in selbigen suchen), aber leider sind wir keine Hellseher. Es hat also keinen Sinn uns nach dem neuen Buch eines Autors zu fragen, der schon seit Jahren nichts mehr geschrieben hat. Wir sehen zwar gerne nach und recherchieren für unsere Leser, aber mehr können wir nicht tun. Der Vorschlag, man könne doch die Adresse des betreffenden Schreiberlings herausfinden oder noch besser die Telefonnummer, damit man ihm mal ins Gewissen reden könne, stößt aus datenschutzrechtlichen Gründen auch nicht auf Zustimmung.

So sehr sich der Leser auch nach neuen Büchern seines Lieblingsautoren sehnt, so muss er doch manchmal einsehen, dass wöchentliche Nachfragen zu nichts führen. Besonders in Konsaliks Fall.

Auch die abgewandelte Form dieser Frage mit dem Zusatz:
„… als Taschenbuch?“ ist nicht so einfach zu beantworten wie es scheint. In der Regel erscheint der gemeine Roman zuerst als Hardcover. Hübsch gebunden und teilweise mit Umschlag versehen. Besonders in der Jugendliteratur scheint es derzeit wieder einen Trend hin zum „schönen Buch“ zu geben und die Verlage überbieten sich gegenseitig mit künstlerischen Covern und geprägten Einbänden.
Je nach Nachfrage, Verlag etc. erscheint das Buch dann nach einem halben Jahr, manchmal auch erst später, als Taschenbuch.

Auch hier gibt es Romane, die es gar nicht erst in die Riege der Hardcover schaffen und sofort als Taschenbuch herausgegeben werden. Oder sie kommen in Form eines robusten Mischmaschs auf den Markt. Diese Art ist bei Bibliotheken sehr beliebt und heißt dementsprechend auch „Bibliotheksbroschur“.
Ein geeignetes Beispiel für diese Art von Taschenbuch wäre
„In Wahrheit wird viel mehr gelogen" von Kerstin Gier.

Die EKZ (Einkaufszentrale für Bibliotheken) bietet diese Steifbroschur für fast alle Taschenbücher zusätzlich an. Durch den steiferen Einband und die zusätzliche Heftung bleiben die Bücher sehr viel länger in gutem Zustand, als „normale“ Taschenbücher.

Hier ein Wort an alle eifrigen Taschenbuchleser: Taschenbücher sind keine Zeitschriften! Bitte, bitte behandelt sie deshalb auch nicht so. Durch die relativ instabile Klebebindung der meisten Taschenbücher verlieren diese nämlich ihre Seiten, wenn man den Buchdeckel komplett umschlägt um einhändig zu schmökern. Muss ja nicht sein, dass Cover und Klappentext aufeinander pappen, oder?

Zurück zum Thema: Wenn die Bibliothek bereits das gewünschte Buch im Hardcover besitzt, so ist es unwahrscheinlich, dass sie das gleiche Werk noch einmal im Taschenbuchformat kauft. Ebenso gibt es viele Bücher, bei denen es sich für eine Bibliothek aus Kostengründen lohnt, auf die Taschenbuchausgabe zu warten. Und auch wenn der Buchhändler gegenüber den neuen Bestseller sofort anbietet, so wird die Bibliothek doch noch einen Tag brauchen, bis er auch bei ihnen im Regal steht. Das Buch muss ja auch erst geliefert, bearbeitet und einsortiert werden, und in der Regel verbietet der Verlag eine Auslieferung vor dem Erscheinungstag.

Eine extrem seltene Ausnahme waren die Harry Potter-Bände, die in einer Nacht und Nebelaktion noch einen Tag vor Erscheinen von der besten Buchhändlerin der Welt in die Stadtbibliothek geschmuggelt wurden. Geht doch nichts über Bestechungstorte ;-D

Trackback URL:
http://bibliotheksdrache.twoday.net/stories/fragen-nr-3/modTrackback

Stefan (Gast) - 29. Mai, 15:21

Spannend

Dankeschön für diese ausführliche Antwort. :) Ich werde es mir merken und in Zukunft nach der Ebook Ausgabe fragen, ok? ;) Es ist wirklich schade, dass man den betreffenden Autoren nicht einfach ins Gewissen reden kann. Weiterhin viel Spaß bei diesem Blog hier.

Die Bibliotheks - Drachen

Von Bibliotheken, Drachen und Leseratten

Bildlich

The-Libarian

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Archiv

Mai 2010
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 1 
 2 
 3 
 5 
 6 
 8 
 9 
11
12
13
14
15
16
17
19
20
21
22
23
24
25
26
29
30
31
 
 
 
 
 
 
 

Wer wir sind

Wir sind zwei Bibliotheksassistentinnen, im Volksmund auch "Bibliotheksdrachen" genannt, aus Bayern. Drache1 arbeitet in einer kleinen Museumsbibliothek, während Drache2 in einer großen Universitätsbibliothek arbeitet. Beide Bibliotheken möchten wir aus Gründen der Anonymität nicht mit Namen nennen.

Was wir wollen

Wir möchten mit diesem Blog über die Arbeit, die Bibliotheken und Bibliothekare tagtäglich leisten, berichten. Außerdem möchten wir Lesetipps geben, besonders schöne Bibliotheken vorstellen und Vorurteile gegen unseren Berufsstand entweder bestätigen oder hinwegfegen ;-D

Wieso "Bibliotheksdrachen"?

Verzweifelter Ausruf eines angehenden Doktoranden: "Je älter und wertvoller das Buch, desto größer der Drache, der es bewacht."

Bibliothek geöffnet seit

Online seit 2769 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 11. Apr, 10:14

Bibliotheksbesucher

Drache1 twittert

Follow Bibassi1 on Twitter

Drache 2 twittert jetzt auch

Follow bibassi2 on Twitter

Berühmte Bibliothekare
Bibliothek(are) im Buch
Bibliothek(are) im Film
Bibliotheksdrachen
Dies und Das
Fachchinesisch
Fragen, die nur ein Bibliothekar beantworten kann
Gedichte und Zitate
Stilblüten
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren