Dienstag, 14. Dezember 2010

"Die Landkarte der Zeit" - Zwischenbericht

"Alle Fäden laufen bei einem dämonischen Bibliothekar zusammen. Nur er kennt das Geheimnis der Landkarte der Zeit."

So stehts im Klappentext und unter anderem deshalb habe ich mir dieses Buch aus meiner Stadtbücherei ausgeliehen.
Nun wage ich mich an einen Zwischenbericht:
Ich bin derzeit auf Seite 373.
Bisher wurden viele, durchaus interessante Charaktere vorgestellt, Fantastisches berichtet und viel davon als Taschenspielertricks entlarvt. Jack the Ripper hatte seinen Auftritt ebenso wie H. G. Wells als zeitmaschinenbesitzender Autor.

Es hat gedauert, bis ich in die Geschichte hineingekommen bin. Der Autor springt oft und gern von einer Perspektive zur nächsten. Es scheint keine richtige Hauptfigur zu geben, sondern stattdessen ein ganzes Sammelsurium von Figuren, die dem Autor alle gleich wichtig zu sein scheinen und deshalb aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln erläutert werden. Außerdem ergötzt er sich an Schachtelsätzen und der Übersetzer scheint das antiquierte Verb "wesen" unglaublich gern zu mögen. Was in krassem Gegensatz zu dem immer wieder verwendeten und sehr modern wirkenden "Klar" steht, dass er den Charakteren des 19. Jahrhunderts in den Mund legt.
Hinzu kommt dann noch ein Erzähler, der sich wie das Anzug tragende Männlein aus den schwarzweißen Fernsehfolgen von "Twilight Zone" gebärdet.

Erinnert sich jemand an diese Serie? Die Geschichte beginnt, man lässt sich von der Atmosphäre eines Schauermärchens einfangen - und plötzlich steht da dieser Zähne bleckende Anzugträger und quatscht etwas von "... das wird Joe bald am eigenen Leib erfahren".
Ein Beispiel aus "Die Landkarte der Zeit":
"Jetzt nähert sich der Augenblick, in dem der junge Mann die lästige Entscheidung treffen muss, welchen Hut er aufsetzen und welchen Mantel er anziehen will von all den Hüten und Mänteln, mit denen der Kleiderschrank in der Empfangshalle vollgestopft ist, denn selbst für den Tod muss man ja präsentabel sein. Diese Szene kann, kennt man Andrew, mehrere unerträglich lange Minuten dauern, die näher zu beschreiben ich für unnötig halte, sodass ich lieber die Gelegenheit ergreife, Sie in dieser Geschichte willkommen zu heißen, die soeben begonnen hat, und die ich nach langem Nachdenken in diesem Moment und keinem anderen beginnen lassen wollte, so als hätte auch ich mich für einen Anfang unter all den vielen entscheiden müssen, die sich dicht an dicht im Schrank meiner Möglichkeiten drängen." (S. 16) So viel zum Thema Schachtelsätze.

Wie gesagt: Ich befinde mich derzeit auf Seite 373. Die Geschichte (oder besser gesagt die Geschichten) hat es doch noch geschafft mich in ihren Bann zu schlagen.
Nur den dämonischen Bibliothekar habe ich bisher vergeblich gesucht.

Und was soll eigentlich der Zeitungsschnipsel unter dem Klappentext?
"Ein Bestseller, den jeder Literaturprofessor in der U-Bahn lesen kann, ohne sich zu schämen." Público
Haben spanische Literaturprofessoren so wenig Selbstbewusstsein, dass sie in der Öffentlichkeit nicht um des Vergnügens willen lesen? Sind sie dazu gezwungen, nur klassische Stücke zu lesen und zu sezieren wie ein Biologe seine Frösche? Oder wollte der Verlag damit die Genialität des Romans unterstreichen und ihn so aus der "anrüchigen" Fantasysparte herausholen?

Fragen über Fragen.

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