Mittwoch, 7. Juli 2010

Bookcrossing

Jeder Lesesüchtige kennt die Situation. Das Bücherregal quillt über, die gebundenen Schätzchen werden schon in dritter Reihe aufgestellt und gestapelt und der treusorgende Lebens(abschnitts)partner lässt zur Sicherheit den Statiker kommen, um die Traglast des Bodens zu überprüfen.

Und obwohl wir wissen, dass weder in den Regalen, noch auf dem Boden, dem Fensterbrett oder dem zweckentfremdeten Fernsehkasten noch Platz ist und sich der BuB (= Berg ungelesener Bücher) inzwischen mit dem Mount Everest messen könnte - wir können halt doch nicht an einer Buchhandlung vorbei gehen. Oder an der vielversprechenden Flohmarktkiste voller angestaubter Klassiker.

Dabei sind - seien wir ehrlich - nicht wenige Fehlkäufe in dieses Sammelsurium aus Literatur geraten. Manchmal versprechen Klappentext und Cover eine tolle Geschichte und am Ende legt man das Buch enttäuscht zur Seite. Es soll Menschen geben, die können ihre Bücher dann tatsächlich wegwerfen.
Ich gehöre nicht dazu. Ein Buch wegzuwerfen geht einfach nicht. Genausogut könnte man mich zwingen, kleine Hunde zu foltern.

ABER: Vielleicht gefällt ja jemand anderem mein Buch? Irgendwo in der großen weiten Welt gibt es jemanden, der dieses Buch unbedingt haben will.
Und dafür gibt es Bookcrossing .
Der Slogan dieser Bewegung lautet "Make the world a library" und ist ähnlich wie das immer beliebter werdende Geocaching aufgebaut. Man registriert erst sich selbst und dann seine Bücher kostenlos, stattet die Bücher mit Etiketten (zum Selbstausdrucken oder zum Bestellen) und ihrer ganz individuellen BICD-Nummer aus und entlässt sie anschließend in die Freiheit.

Zum Beispiel in einem Bahnhofsschließfach oder auf der Parkbank oder im Zoo oder im Café ...
Manche Cafés und auch Büchereien haben inzwischen richtige Bookcrossing-Regale aufgebaut. Im Idealfall wird der Finder auf die Seite bookcrossing.com gehen, die BCID eingeben und kurz erzählen, wo er das Buch gefunden hat, wie es ihm gefiel und an wen er es weitergegeben / oder wo er es wieder freigelassen hat. So gehen die Bücher um die Welt.

Wenn man ein bestimmtes Buch haben will, kann man sogar danach suchen und dem Eigentümer eine liebe Tauschanfrage schicken. Büchersendungen kosten bei der Post nämlich nur 65 Cent ;-D

Sachen gibt's!

So, nun nach längerer Abstinenz auch mal wieder ein Beitrag von meiner Seite. Folgendes trug sich vor kurzem in einer großen bayerischen Universitätsbibliothek zu:

Eine Studentin betritt schwer atmend mit 2 großen Paketen den Raum, schaut sich suchend um und kommt schließlich auf mich zu. "Kann ich die Pakete hier abgeben?" Ich schaue sie verwundert an und antworte "Tut mir leid, das hier ist nicht die Post, hier können Sie keine Pakete abgeben." Die Studentin beharrt drauf, dass sie aber im Internet gelesen hätte, dass genau hier in dieser Straße eine Postfiliale sei. Sie wäre auch schon in der Poststelle der Universität gewesen, doch die würden nur dienstliche Sachen annehmen. Ich kann widerum nur sagen, dass man hier definitiv keine Post abgeben kann. "Wo ist denn dann bitte die nächste Filiale?" Ich weise sie auf die Filiale am Bahnhof hin, da das die nächste sei die mir jetzt grad einfiele. Ziemlich verzweifelt darüber, dass sie die nicht gerade leichten Pakete nun noch weiter schleppen musste, verließ sie den Raum.

Zur Aufklärung: Irgendwie hat das ganze meinen bibliothekarischen Spürsinn geweckt. Es hat mich einfach interessiert, wie sie denn darauf kommt, dass hier eine Postfiliale wäre. Also habe ich im Internet auf der Seite der Deutschen Post nachgesehen. Und siehe da: Da stand tatsächlich etwas von einer Zweigstelle in der Universitätsstraße. ABER im Kleingedruckten stand auch, dass man in dieser Zweigstelle nur Briefmarken kaufen kann....

Wer lesen kann, ist halt doch klar im Vorteil!

Die Bibliotheks - Drachen

Von Bibliotheken, Drachen und Leseratten

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Bibassi

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Wir sind zwei Bibliotheksassistentinnen, im Volksmund auch "Bibliotheksdrachen" genannt, aus Bayern. Drache1 arbeitet in einer kleinen Museumsbibliothek, während Drache2 in einer großen Universitätsbibliothek arbeitet. Beide Bibliotheken möchten wir aus Gründen der Anonymität nicht mit Namen nennen.

Was wir wollen

Wir möchten mit diesem Blog über die Arbeit, die Bibliotheken und Bibliothekare tagtäglich leisten, berichten. Außerdem möchten wir Lesetipps geben, besonders schöne Bibliotheken vorstellen und Vorurteile gegen unseren Berufsstand entweder bestätigen oder hinwegfegen ;-D

Wieso "Bibliotheksdrachen"?

Verzweifelter Ausruf eines angehenden Doktoranden: "Je älter und wertvoller das Buch, desto größer der Drache, der es bewacht."

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Zuletzt aktualisiert: 11. Apr, 10:14

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