Dienstag, 16. März 2010

Der Bibliothekar und der Tod

Auch Bibliothekare können eines unnatürlichen Todes sterben wie die folgenden Beispiele zeigen sollen:

Johann Joachim Winckelmann, Bibliothekar des Grafen von Bünau in Nöthnitz bei Dresden, späterer Bibliothekar des römischen Kardinals Albani, wurde in Triest ermordet. Im Falle Johann Christoph Hennings’ aus der Unibibliothek Kiel ist die Ursache unklar. Er wurde tot im Bett gefunden, man geht von einer Ermordung aus.

Der Gipfel bibliothekarischer Arbeitsamkeit ist erreicht wenn der Tod den Bibliothekar tatsächlich in der Bibliothek ereilt.
Beim Brand des Stiftes Vorau in der Steiermark am 21. Nov. 1237 warf Propst Bernhard II. Handschriften und Urkunden aus dem brennenden Gebäude und kam dabei um. Carl Friedrich LeBret, Oberbibliothekar in Stuttgart, kam in ungeheizten Bibliotheksräumen zu Tode.
Auch der bekannte französische Bibliograph Jaques Charles Brunet starb in der Bibliothek, das geöffnete Buch auf den Knien.

Sicherlich gehen viele davon aus, dass der klassische Bibliothekarstod als Ursache den Sturz von der Leiter hat. Diese Todesursache ist jedoch tatsächlich nur in drei Fällen belegbar. Von einem möchte ich hier berichten.

Ein Opfer seines Berufs wurde beispielsweise Friedrich Adolf Ebert, Oberbibliothekar der Königlichen öffentlichen Bibliothek Dresden. In einem Augenzeugenbericht beschreibt Konstantin Karl Falkenstein, der Nachfolger Eberts, was geschah.
„Am 10. Nov. 1834, wo er eben im zweiten Stockwerke, auf einer Leiter stehend, in dem Fache Jus criminale mehrere neuangekaufte Werke einzureihen im Begriffe war, schwankte die an und für sich nicht hohe Leiter und Ebert, der sich durch einen Sprung retten wollte, den Arm voll Bücher, sank zu Boden. Seine Amtsgenossen eilen herbei und heben ihn auf. Er kann gehen, ist bei voller Besinnung, nur durch den Schreck angegriffen. Der Arzt findet bei der Untersuchung nur leichte Contusionen der Schultern, aber es zeigen sich schon am zweiten Tage Spuren von Delirium, eine Gehirnentzündung folgt, und am 13. Nov. endet sein Leben.“

Franz Grillparzer erlitt übrigens den gleichen Unfall im Wiener Hofkammerarchiv: „Im April 1832 fiel er von einer fünf Klafter hohen Leiter mit einem 50 Pfund schweren Aktenfaszikel in die Tiefe, es geschah ihm nichts, da er das schwere Aktenpaket rechtzeitig fallen ließ.“
Grillparzer hatte eben keine innere Beziehung zu seinen Akten. Ebert ließ die Bücher nicht fallen ;-)

Doch das war noch nicht alles!

Dem Humanisten Coelius Calcagninus aus Ferrara wurde die Bitte, im Bibliothekssaal begraben zu werden, gewährt und durch die Inschrift „index Tumuli Coelii Calcagnini, qui ibidem sepeliri voluit ubi semper vixit“ ( Hier ist das Grab des Coelius Calcagninus, der sich dort begraben ließ, wo er ständig lebte) der Nachwelt überliefert. In neuerer Zeit verbieten Begräbnisordnungen solche eigenwilligen Sitten.


Quellen: Wikipedia ; Rost, Gottfried: Der Bibliothekar : Schatzkämmerer oder Futterknecht?

P.S. Rechtschreibfehler bitte ich zu entschuldigen, da ich des lateinischen nicht mächtig bin. Wer also welche findet, soll sie bitte für sich behalten ^^

Ausleihen oder nicht ausleihen? Das ist hier die Frage...

"Leihe nie Bücher aus! Kein Mensch gibt sie dir zurück. Die einzigen Bücher, die noch in meiner Bibliothek stehen, sind solche, die ich von anderen Leuten geliehen habe."
Anatol France
War ein Französischer Schriftsteller und erhielt den Nobelpreis für Literatur (1921).
* 16.04.1844 in Paris (Île-de-France), Frankreich
† 12.10.1924 in Saint-Cyr-sur-Loire (Indre-et-Loire), Frankreich

Mit Dank an Nur Zitate

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