Donnerstag, 4. März 2010

Hans Christian Andersen

"Oft, wenn ich in den Straßen der Stadt gehe, ist es mir, als ginge ich in einer großen Bibliothek; die Häuser sind Bücherregale, jedes Stockwerk ist ein Brett mit Büchern. Dort steht eine gute, alte Komödie, dort stehen wissenschaftliche Werke aus allen Fächern, hier Schnitzliteratur und gute Lektüre. Ich kann über alle die Bücher phantasieren und philosophieren."

Aus Hans Christian Andersens Erzählung "Tante Zahnweh".

Nachtrag zu Casanova

Aus Casanovas Erinnerungen:

"Nachdem ich diese Betrachtungen angestellt hatte, die mir sehr vernünftig zu sein schienen, obgleich mein Kopf damals noch nicht ganz gesund war, packte ich meinen Koffer, bestellte Pferde, aß gut zu Mittag, bezahlte meine Rechnung und fuhr, ohne mich von einem Menschen zu verabschieden, nach Wolfenbüttel. Ich wollte dort acht Tage zubringen, und war sicher, daß ich mich nicht langweilen würde, denn in Wolfenbüttel war die drittgrößte Bibliothek Europas, und ich hatte schon seit langer Zeit große Lust gehabt, sie näher zu untersuchen.

Der gelehrte Bibliothekar sagte mir bei meinem ersten Besuch mit großer Höflichkeit, die um so angenehmer wirkte, da sie ganz anspruchslos war: ein Mann werde den Auftrag erhalten, mir in der Bibliothek alle gewünschten Bücher zu bringen, außerdem aber werde man mir diese auch in meine Wohnung bringen, sogar die Handschriften, die den besonderen Reichtum dieses schönen Instituts bilden.

Ich verbrachte acht Tage in dieser Bibliothek, die ich nur verließ, um zum Essen und zum Schlafen in meinen Gasthof zu gehen. Ich kann diese acht Tage zu den glücklichsten meines Lebens zählen, denn ich war nicht einen Augenblick mit mir selber beschäftigt: ich dachte weder an die Vergangenheit noch an die Zukunft, und mein Geist, der sich vollständig in die Arbeit versenkt hatte, konnte die Gegenwart nicht bemerken. Ich habe seitdem zuweilen gedacht, daß vielleicht das Leben der Seligen etwas Ähnliches sein könnte ..."

Ach ja, der alte Verführer... ;-D

Der Hort von Steven Piziks

Originaltext in Englisch:

http://www.bookviewcafe.com/index.php/Steven-Piziks/Steven-Piziks-Short-Stories/Hoard

Wer die Geschichte auf deutsch lesen will, dem empfehle ich einen Gang zum Buchhändler seines Vertrauens. In Marion Zimmer Bradley's Reihe "Magische Geschichten" ist diese Kurzgeschichte im 11. Band "Feenschwester" vertreten.

Katalogformen - Zettelkatalog

Der Zettelkatalog

Zunächst handschriftlich, dann maschinell wurden schließlich die Bibliotheksbestände im Zettel- bzw. Kartenkatalog erfasst. Auch hier gilt wieder das Prinzip Autorenname bzw. Titel in alphabetisch sortierter Reihenfolge.

Der Zettelkatalog besteht, wie der Name schon sagt, aus Zetteln. Seit 1948 wurden diese Kärtchen international normiert und zwar auf 7,5 x 12,5 cm plus ein Löchlein mit dem sie an der sog. Lochstange festgeklammert werden können.

Zettelkatalog1

Na? Wer erkennt die Vorteile gegenüber dem Bandkatalog?

Zum ersten: Der Zettelkatalog ist bis in die Unendlichkeit erweiterbar. Lieschen Müller könnte also Topflappenbücher ohne Ende produzieren. Selbst wenn ihre Werke eine halbe Bibliothek füllen würden, wäre das absolut kein Problem.

Zum zweiten: Ich kann so viele Zettelkataloge anlegen wie ich will und dadurch die Bücher wesentlich leichter auffindbar machen. Denkbare Sucheinstiege wären dann z. B. der Autor, der Titel, der Einheitssachtitel, der Übersetzer, Schlagwörter, Ausstellungsorte, Jahreszahlen, Standort, Zugangsnummer …

Zum dritten: Kein mühsames und langwieriges Umschreiben mehr. Der Katalog ist immer auf den neuesten Stand (vorausgesetzt der Bibliothekar ist gewissenhaft. Und das sind Bibliothekare doch per definitionem ;-D )

ABER! Nirgends Vorteile wo es auch Nachteile gibt.

Es dauert. Jedes Zettelchen muss getippt werden und jeder Zettel muss korrekt einsortiert werden. Ein Buch, das eigentlich zwanzig Schlagworte verdienen würde, bekommt dann schon mal aus faulheitsbedingten rationellen Gründen nur zwei.

Nächster Nachteil: Der Katalog ist sehr, sehr ortsgebunden.
Es ist schlichtweg unmöglich Zettelkatalogkästen, die ganze Räume füllen, von Bibliothek A zu Bibliothek B zu schleppen. Um eine überregionale Suche zu gewährleisten, wurden, sobald möglich, Mikroformen der verschiedenen Kataloge angelegt. Wer schon einmal mit Mikrofiche samt passendem Lesegerät nach einem bestimmten Titel gesucht hat, kennt die Prozedur.
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen…

Und noch ein paar Nachteile, die mir befreundete Ex-Studenten beichteten:
Zettel können gezogen werden und auf Nimmerwiedersehen verschwinden.
Damit niemand mehr die Doktorarbeit findet, die man in den Quellenangaben der Facharbeit vergessen hat zu erwähnen ; weil’s praktischer ist, gleich das ganze Kärtchen auf die Suche am Regal mitzunehmen, anstatt sich mühsam alles auf einem eigenen Blatt zu notieren … usw.

Der erste Zettelkatalog wurde übrigens schon 1780 von Gottfried van Swieten an der Hofbibliothek in Wien angelegt. Der gute Mann war seiner Zeit weit voraus, denn wirklich flächendeckende, internationale Verbreitung fand der Zettelkatalog erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Und gerüchteweise gibt es auch noch die ein oder andere Bibliothek, die den Zettelkatalog nicht abbaut sondern weiterhin fortlaufend führt (warum auch immer).
A echter Wiener geht halt amal ned unter!

Die Bibliotheks - Drachen

Von Bibliotheken, Drachen und Leseratten

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Wir sind zwei Bibliotheksassistentinnen, im Volksmund auch "Bibliotheksdrachen" genannt, aus Bayern. Drache1 arbeitet in einer kleinen Museumsbibliothek, während Drache2 in einer großen Universitätsbibliothek arbeitet. Beide Bibliotheken möchten wir aus Gründen der Anonymität nicht mit Namen nennen.

Was wir wollen

Wir möchten mit diesem Blog über die Arbeit, die Bibliotheken und Bibliothekare tagtäglich leisten, berichten. Außerdem möchten wir Lesetipps geben, besonders schöne Bibliotheken vorstellen und Vorurteile gegen unseren Berufsstand entweder bestätigen oder hinwegfegen ;-D

Wieso "Bibliotheksdrachen"?

Verzweifelter Ausruf eines angehenden Doktoranden: "Je älter und wertvoller das Buch, desto größer der Drache, der es bewacht."

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Zuletzt aktualisiert: 11. Apr, 10:14

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