Donnerstag, 18. Februar 2010

Do it yourself - Sacherschließung

oder auch Inhaltserschließung.

Ging es im vorigen Artikel nur über die formale Erschließung, also die nackten Fakten, so kommen wir hier in den Bereich Inhalt. Ich beschränke mich jetzt erst einmal auf die Verschlagwortung eines Titels. Die Klassifikation ist einen eigenen Artikel im Bereich Fachchinesisch wert.

In diesem Arbeitsbereich ist es tatsächlich notwendig ein bisschen in das Buch hineinzulesen.
Eine Zeit lang hieß es in (mehr oder weniger) fachlichen Kreisen, dass diese Erschließung eigentlich gar nicht notwendig sei. Es reiche doch die simple Formalerschließung.

Tja, aber was macht Bibliothekar / Leser wenn er im Katalog nach Brückenarchitektur sucht und unter dem Begriff „Brücke“ hundert Titel findet? Behandeln die gefundenen Titel jetzt wirklich Architektur? Oder handelt es sich um einen Roman? Oder ein Werk über die Künstlervereinigung? Und wenn das so dringend benötigte Buch unter dem Titel „Über Fluss und Tal“ steht, findet man es gar nicht.

Deshalb gibt es die Sacherschließung, bei der mit Hilfe von sog. Schlagwörtern der Inhalt des Titels erfasst wird.
Zwar ist eine Verschlagwortung bei Romanen nicht üblich, aber wir nehmen uns trotzdem noch einmal „Mummenschanz“ vor.
Also…
Die Geschichte ist ein Scheibenweltroman und es geht um Hexen in einer Oper. Außerdem handelt es sich ganz eindeutig um Fantasy. Damit lassen sich schon vier Schlagworteintragungen machen.
Scheibenwelt ; Hexe ; Oper ; Fantasy

Ein Zettel im Schlagwortkatalog würde dann so aussehen:Scheibenwelt

Pratchett, Terry:
Mummenschanz : ein Roman von der bizarren Scheibenwelt ; [ein Scheibenwelt-Roman] / Terry Pratchett. Ins Dt. übertr. von Andreas Brandhorst. – 3. Aufl., Taschenbuchausg. – München : Goldmann, 2002. – 351 S.
Einheitssachtitel: Maskerade
ISBN 3-442-45260-0
Genauso verfährt man mit den anderen drei Begriffen. Sollte nun ein ausleihwilliger Freund fragen, ob du eine Bücherreihe über etwas namens „Scheibenwelt“ kennst und vielleicht einige davon hast – Schlagwortkatalog gezückt, unter Sch wie Scheibenwelt geguckt und Zack! – schon kannst du ihm sagen welche Bücher dieser Reihe du dein Eigen nennst.

Do it yourself - Formalerschließung

Wie versprochen zeige ich euch heute wie man ein Buch in eine auffindbare Form bringt.

In der Regel verwenden die meisten Bibliotheken inzwischen ein computergestütztes Erfassungssystem. Da ich aber davon ausgehe, dass kein Leser auf derlei Systeme Zugriff hat, basteln wir uns jetzt einen kleinen Zettelkatalog für die heimische Minibibliothek.

Man nehme:
einige Karteikarten
einen Stift
die gewünschten Bücher
Karteikasten zur Aufbewahrung

Mal gucken …
Ah ja. Ich nehme mir mal Terry Pratchetts „Mummenschanz“ aus dem Regal. Die Taschenbuchausgabe.

Als Bibliothekar lässt man das Cover zunächst einmal völlig unbeachtet, schlägt das Buch auf und nimmt sich das Titelblatt vor. Dort steht:

Terry Pratchett
Mummen-
Schanz

Ein Roman von der bizarren Scheibenwelt

Ins Deutsche übertragen von Andreas Brandhorst

Goldmann


Damit kann man doch schon was anfangen.
Natürlich bekommt der Autor die Haupteintragung, sodass man alle Romane Pratchetts, egal ob sie in deutscher, englischer oder japanischer Sprache erschienen sind, auf einen Blick findet. Unsere Karteikarte würde in diesem Fall so aussehen:Pratchett, Terry:
Mummenschanz : ein Roman von der bizarren Scheibenwelt / Terry Pratchett. Ins Dt. übertr. von Andreas Brandhorst
Auf der Rückseite des Titelblatts finden sich allerdings noch mehr Angaben. Auflage, Originaltitel, Erscheinungsjahr, ISBN etc. Natürlich interessiert uns auch noch wie umfangreich das Werk ist und ob es Illustrationen, Graphiken oder Landkarten beinhaltet und – hoppla! – auf dem Cover steht als Untertitel „Ein Scheibenwelt-Roman“.
Vollständig und regelgerecht würde unsere Katalogkarte dann so aussehen:
Pratchett, Terry:
Mummenschanz : ein Roman von der bizarren Scheibenwelt ; [ein Scheibenwelt-Roman] / Terry Pratchett. Ins Dt. übertr. von Andreas Brandhorst. – 3. Aufl., Taschenbuchausg. – München : Goldmann, 2002. – 351 S.
Einheitssachtitel: Maskerade
ISBN 3-442-45260-0
Die erste Katalogkarte ist geschafft. Dieses Buch findet man garantiert, wenn man unter dem Namen Pratchett sucht. Wenn ich das Buch aber auch unter dem Übersetzer Andreas Brandhorst finden will, bekommt auch dieser seine eigene Katalogkarte. Gleiches gilt für den Originaltitel „Maskerade“.
Theoretisch lässt sich für jeden einzelnen Punkt (abgesehen vielleicht von der Seitenzahl und der Auflage) eine eigene Katalogkarte produzieren. Nach dem Regelwerk RAK-WB (Regeln für Alphabetische Katalogisierung in Wissenschaftlichen Bibliotheken) sind aber nur drei Katalogeinträge vorgeschrieben:

Verfasser
Übersetzer
Einheitssachtitel

Inzwischen gibt es die tolle Erfindung namens Internet und Volltext- bzw. Erweiterte Suche, sodass man als Leser (und Bibliothekar ;-) auch mit den geringsten Anhaltspunkten zum Ziel finden kann.

Nun kann man die Kärtchen in alphabetischer Reihenfolge in sein Karteikästchen ordnen und hat den perfekten Nachweis dafür, dass sich „Mummenschanz“ im Bestand der Heimbibliothek befindet.

Ebenfalls sehr praktisch: Auf der Rückseite der Karteikarten kann man eintragen, wer sich das Büchlein wann geliehen hat. Unschlagbares Druckmittel gegenüber säumigen Ausleihern ;-D

Damit wäre die Formalerschließung des Titels abgeschlossen.
Es folgt die Sacherschließung.

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